Sie verlor alles, damals bei dem Erdbeben. Einzig und allein ein paar alte Planen, eine Decke und einen Topf konnte sie aus den Trümmern retten. Aus den Planen hat sie gemeinsam mit ihrem 30Jahre älteren Mann eine Notunterkunft geschaffen. Für sich und ihre 5 Kinder. Nur spärlich schützt sie ihr neues zu hause vor Regen. Doch noch schlimmer ist die Kälte. Vor allem im Winter, hier oben in den Bergen, bei 3000 m Höhe. Doch irgendwie haben sie es geschafft, und konnten sich ein paar Teller, Tassen und Löffel kaufen. Und wenn sie sich nachts alle auf den beiden Matratzen zusammen kuscheln, reichen auch die Decken um sie warm zu halten. Die Decken, die ihnen die pakistanische Regierung geschenkt hat. Ihre Söhne schickt sie zum Imam in die Schule, damit sie wenigstens lesen und schreiben lernen. Für die Mädchen gibt es hier keine Ausbildung. Die einzige Schule in der 10 km entfernten Stadt wurde bei dem Erdbeben zerstört. Und nun sind die Taliban wieder hier. Sie wollen das Gebiet wieder unter ihre Herrschaft bringen und liefern sich heftige Gefechte mit den lokalen Sicherheitskräften. Mehrere Nachbarn wurden schon ermordet oder sind bereits geflohen. Soll auch sie noch einmal innerhalb dieser drei Jahre flüchten und darauf hoffen, dass es irgendwo einen ruhigeren Ort für sie und ihre Familie gibt?
Diese Geschichte basiert auf tatsächlichen Fakten, hat aber keinen biografischen Charakter. Doch genau so können Tausende von Frauen im Norden Pakistans von ihrem Leben erzählen. Wenn, ja wenn sie jemanden hätten, dem sie ihre Nöte, Sorgen und Freuden mitteilen könnten. Oftmals sehen sie ihre eigene Familie zum letzten Mal am Tag vor ihrer Hochzeit und Freundschaften wie wir sie kennen gibt es in ihrer Kultur nicht. Der Tag der Frauen ist damit ausgefüllt sich um die Bedürfnisse ihrer Männer und Kinder zu kümmern, und in diesen Zeiten ist es oft schwer genug auch nur für eine Mahlzeit am Tag zu sorgen. Und so bleiben sie ungehört. Sie schreien nach Hoffnung, nach Hilfe und Liebe - doch wie die Berge das Echo wiedergeben, hören sie als Antwort nur ihren eigenen Schrei.
Ungerechtigkeit gegenüber Frauen und Mädchen ist eine der Herausforderungen unserer Zeit. Oftmals sind die Schicksale der Frauen und Mädchen verborgen, bleibt die Ungerechtigkeit die sie erdulden müssen unerkannt. Doch Gott sieht jede einzelne Frau. Er sieht die Frau, die als Prostituierte nach Deutschland verschleppt wurde und ohne Aufenthaltsgenehmigung von ihrem Zuhälter abhängig ist. Er sieht die Frau, die als Mädchen in Somalia beschnitten wurde, und nun erneut aufgeschnitten werden muss um ihr erstes Kind zu gebären. Er hört den Schrei all der Frauen die nie das Licht der Welt erblickt haben, weil durch einen Ultraschall festgestellt wurde, dass es ein Mädchen wird. Und Gott sucht Menschen die lernen möchten, mit seinen Augen zu sehen. Die denen die keine Stimme haben, ihre Stimme geben und vor ihm für sie bitten.
Als Hilfe zum Gebet haben Susi und Paul Childers, die bei Jugend mit einer Mission arbeiten, das Buch "30 Tage - Schicksale - Impulse: Für Gerechtigkeit in den Nationen" herausgegeben. Im Jahr 2008 habe ich an der deutschen Ausgabe mitgearbeitet, die nun im Mai diesen Jahres erschienen ist. Das Buch beleuchtet 30 verschiedene Themen, die alle eine Form der Ungerechtigkeit gegenüber Frauen und Mädchen betreffen. Jeder Tag besteht aus 5 Elementen: einer persönlichen Geschichte, einer Begriffserklärung und Fakten, einem Photo, Gebetsanliegen und einem praktischen Vorschlag wie man konkret helfen kann.
Du kannst es auf englisch direkt bei Susi Childers unter www.avoiceforthevoiceless.com bestellen.
Miriam